Tricking: Die Droge namens Bewegungsfreiheit

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Jeder kennt die berühmten Jackie Chan oder Marvel Filme. Der Grund dafür sind nicht die mitreißenden Geschichten, sondern die spektakulären Kampfszenen. Doch was sind das eigentlich für Bewegungen, die Jackie Chan und Co da machen?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, waren wir zu Besuch bei Florian und Nils in Köln. Die Beiden haben die Tricking Community in Deutschland mit aufgebaut und organisieren und leiten jetzt Tricking und Akrobatik-Training in Köln. Tricking ist auch genau die Sportart, die in den spektakulären Filmen zum Einsatz kommt. Was genau Tricking ist und wie ihr es lernen könnt, erfahrt ihr in dem Interview mit den beiden.


Hi, schön, dass ihr die Zeit gefunden habt. Viele haben schon von Tricking gehört, doch was ist Tricking genau?

Tricking ist eine Mischung aus vielen bekannten Sportarten: Du kombinierst Elemente aus der Akrobatik, dem klassischen Turnen und der Kampfkunst. Der große Unterschied zum Turnen oder einzelnen Kampfsportarten ist, dass wir beim Tricking völlig frei in unseren Bewegungen sind. Es geht nicht darum vorgefertigte Bewegungen und Abläufe nachzustellen, sondern kreativ und frei verschiedene Tricks zu kombinieren. Genauso geht es beim Tricking nicht darum gegen jemanden zu kämpfen. Es geht um die Bewegungsfreiheit und ein Stück weit auch um die Show. Hier gibt es einen kleinen Vorgeschmack für euch:


Wie ist Tricking entstanden?

Tricking kommt aus den USA und hat seinen Ursprung im Kampfsport. Bei Wettkämpfen im Kampfsport müssen die Teilnehmer so genannte Katas zeigen. Das sind genau festgelegte Bewegungsabläufe, die einen Kampf gegen einen imaginären Gegner simulieren. Bei der Freestyle Form dieser Katas haben Kampfsportler in den 90er Jahren angefangen, immer spektakulärere Bewegungen einzubauen, um mehr Punkte von den Kampfrichtern zu bekommen. So ist zunächst Extreme Martial Arts entstanden, bevor sich daraus Tricking als eigene Sportart abgekoppelt hat.

Wie seid ihr selber zum Tricking gekommen?

Mit 16 Jahren wollte ich unbedingt einen Flick Flack lernen und habe es mir mit viel Mühe selber beigebracht. Das würde ich so nicht nochmal machen und es auch sonst keinem empfehlen ;-) Dennoch war es meine Einstiegsdroge ins Tricking. Von da an wollte ich immer spektakulärere Tricks ausprobieren und lernen. Als Tricking dann 2003 aus den USA nach Deutschland gekommen ist, gab es ein Forum, wo sich alle Tricker versammelt hatten und sich ausgetauscht haben. Mit youtube wurde Tricking dann auch bekannter und ging wie ein Lauffeuer rum.


Was sind Einsteiger-Übungen im Tricking?

Tricking besteht aus Kicks, Flips und Twists. In allen drei Kategorien gibt es Einsteiger-Tricks. Später geht es darum diese drei Kategorien zu kombinieren und immer noch einen drauf zu setzen. Dabei bist du immer frei in deinen Bewegungen: Du kannst bestehende Bewegungen von anderen Kampfsportarten übernehmen und diese neu interpretieren. So sind im Tricking auch schon neue Bewegungen erfunden worden.

Eine Einführung in die verschiedenen Tricks im Tricking findet ihr hier: https://moverii.de/blog/tricks-im-tricking.

Neben verschiedenen Kicks, lernst du in unseren Kursen und Workshops zu Beginn den Rückwärtssalto und den Flick Flack. Für viele sind das scheinbar unerreichbare Übungen, beim Tricking sind es Einsteiger-Übungen. Das zeigt, dass diese Bewegungen nicht unerreichbar sind, sondern sie jeder lernen kann.



Wie lange braucht man denn, um einen Salto und Flick Flack zu lernen?

Das ist total unterschiedlich: Ich habe Menschen gesehen, die es innerhalb einer Stunde gelernt haben, andere wiederum brauchen ein halbes Jahr. Es ist auch ein riesen Unterschied, ob du einen Flick Flack oder Salto mit Hilfestellungen und Matten machst oder alleine draußen auf der Wiese bist. Außerdem kommt es wie immer im Sport auf deine Motivation an: Wenn du zu Hause deine Sprungkraft trainierst und andere Vorübungen machst, kommst du natürlich schneller zu deinem Ziel.

Viele haben Angst vor Bewegungen wie dem Flick Flack oder dem Rückwärtssalto. Habt ihr Tipps, wie man die Angst überwinden kann?

Erst einmal würde ich niemandem empfehlen solche Bewegungen alleine lernen zu wollen. Du brauchst am Anfang Hilfestellungen. Alleine ist es unnötig riskant und du brauchst auch deutlich länger bis du die Bewegungen drauf hast. Was Sinn macht, ist sich zu Hause mit Vorübungen vorzubereiten. Allerdings ist es immer etwas ganz anderes, ob du Vorübungen machst oder dann wirklich springst.

Was viele machen, ist den Salto im Schwimmbad auszuprobieren. Um in die Bewegung reinzukommen und die erste Angst zu überwinden, ist das Ok. Allerdings sollte man das auf keinen Fall zu lange machen, da man so die falsche Bewegung lernt und diese nur schwer wieder aus dem Kopf zu bekommen ist.

Der beste Weg ist sich Schritt für Schritt ranzuarbeiten: Angefangen mit dicken Matten und zwei Hilfestellungen, weiter mit dünnen Matten und einer Hilfestellung, bis hin zu einer Hilfestellung mit Matte und eine ohne Matte. Man kann wirklich viele Zwischenschritte einbauen, was viele auch für den Kopf brauchen.



Was sind die körperlichen Voraussetzungen, um Tricking lernen zu können?

Die wichtigste Voraussetzung ist keine körperliche. Das wichtigste ist, dass du motiviert bist und dran bleibst. Körperlich gilt: So lange du springen kannst, kannst du auch den Salto, Flick Flack oder andere Einsteiger Übungen im Tricking lernen. Allerdings hilft es dir, sportlich zu sein, da du weniger Angst hast: Du kannst höher springen und hast die Kontrolle über deinen Körper. Zusammenfassend kann man sagen, dass ich noch nie jemanden kennengelernt habe, der wirklich den Willen hatte, diese Bewegungen zu lernen und es nicht geschafft hat. Mit dem richtigen Willen, kann jeder zumindest die Einsteiger Bewegungen, wie den Salto und den Flick Flack, lernen.

Was ist für euch das Besondere am Tricking?

Mich faszinieren vor allem zwei Dinge: Zum Einen die Körperkontrolle, die man erlernt, und zum Anderen die Bewegungsfreiheit. Durch's Tricking bin ich überhaupt nicht mehr limitiert in meinen Bewegungen und habe alle Freiheiten mich so zu bewegen, wie ich es will. Da wird einem erst bewusst, wie beschränkt wir als Menschen in unseren Bewegungen sind. Außerdem sieht es auch einfach cool aus ;-)



Warum würdet ihr jedem empfehlen Tricking auszuprobieren?

Vor allem wegen diesem unbeschreiblichen Gefühl in der Luft zu sein und sich zu drehen. Bis heute stelle ich mir bei jedem neuen Trick, den ich sehe, die Frage, wie sich das wohl anfühlt. Und ich garantiere euch, es fühlt sich unfassbar gut an.

Der nächste Aspekt ist die Fitness. Selbst sehr gut durchtrainierte Menschen sind nach dem ersten Tricking Training völlig am Ende. Wir beanspruchen einfach ganz andere Muskelgruppen, als bei einem klassischen Fitness-Training.

Zu guter Letzt wird Tricking niemals langweilig. Der perfekte Salto und Flick Flack sind nur deine Einstiegsdroge: Du willst die Komplexität immer weiter erhöhen und dich immer wieder an deine Grenzen bringen.

Vielen Dank für das Interview und eure Zeit!


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