Rodellar ist vor allem für steile Sportkletterrouten bekannt. Der kompakte Kalk im Mascún-Canyon ist von Tufas, Höhlen, Pockets und fließenden Strukturen geprägt und verlangt eine Mischung aus Technik, Körperspannung, Ausdauer und kreativer Bewegung.
Tufa-Klettern verstehen
Tufas verändern die Art, wie du dich an der Wand bewegst. Statt nur frontal zu klettern, arbeitest du stärker dreidimensional: Du klemmst Knie zwischen Felsstrukturen, umgreifst Tufas seitlich, nutzt Gegenzug und suchst Ruhepositionen, die auf den ersten Blick kaum wie Ruhepositionen aussehen.
Im Coaching lernst du, solche Strukturen besser zu lesen und gezielt zu nutzen. Dabei geht es weniger darum, einfach kräftiger zu ziehen, sondern darum, Körperposition und Kontaktpunkte clever einzusetzen.
Kneebars & kreative Ruhepositionen
Rodellar ist besonders bekannt für Kneebars und ungewöhnliche Restpositionen. Auf vielen steilen Linien lassen sich durch geschicktes Einklemmen des Knies überraschend gute Ruhepositionen finden. Die Coaches zeigen dir, wie du solche Positionen sicher ausprobierst, wann sie sinnvoll sind und wie du sie nutzen kannst, um vor einer schweren Sequenz wieder Kraft zu sammeln. Gerade auf langen Überhängen kann das einen großen Unterschied machen.
Power Endurance
Viele der bekannten Linien in Rodellar sind lang, steil und pumpig. Häufig reicht es nicht, einzelne schwere Züge zu können – du musst sie auch nach vielen Metern Klettern noch sauber ausführen. Deshalb spielt Power Endurance eine wichtige Rolle. Du arbeitest daran, anspruchsvolle Sequenzen auch unter Ermüdung kontrolliert zu lösen und deine Kraft sinnvoll über die gesamte Route einzuteilen.
Technik im Überhang
Neben Kneebars kommen je nach Linie auch Heel Hooks, Toe Hooks, Drop-Knees und starke Seitbewegungen zum Einsatz. Im steilen Gelände wird besonders wichtig, die Füße aktiv einzusetzen und den Körper nah an der Wand zu halten. Das Coaching hilft dir dabei, Bewegungen weniger aus den Armen und stärker aus Beinen, Hüfte und Rumpf zu lösen.
Routenlesen & Beta
Rodellar ist ein Gebiet, in dem Beta oft sehr individuell wird. Eine Route kann für zwei ähnlich starke Kletter:innen völlig unterschiedlich aussehen, je nachdem, welche Tufa, welcher Kneebar oder welche Körperposition besser passt. Gemeinsam mit den Coaches arbeitest du daran, verschiedene Lösungen auszuprobieren, Beta zu vergleichen und deine eigene effizienteste Sequenz zu finden.
Redpoint & On-Sight
Je nach persönlichem Ziel kannst du an Redpoint-Projekten arbeiten oder dich auf On-Sight-Versuche konzentrieren. Beim Redpoint geht es darum, einzelne Sequenzen zu optimieren und den Kraftaufwand von Versuch zu Versuch zu reduzieren. Beim On-Sight musst du dagegen schnell erkennen, welche Tufa, welche Ruheposition und welcher Bewegungsweg am sinnvollsten ist.
Mentales Training
Steile Routen und lange Sequenzen können auch mental fordernd sein. Mit zunehmender Ermüdung fällt es schwerer, klare Entscheidungen zu treffen und an der geplanten Beta festzuhalten. Das Coaching greift deshalb auch Themen wie Fokus, Sturzangst und den Umgang mit körperlicher Ermüdung auf. Ziel ist, auch dann ruhig weiterzuklettern, wenn sich eine Route zunehmend fordernd anfühlt.
Sicherung & Seiltechnik
Auch sicherheitsrelevante Themen werden weiter vertieft. Dazu gehören Vorstiegssicherung, dynamisches Sichern, Kletterkommandos, Clipstick-Einsatz und das sichere Abbauen von Umlenkungen. Für die längeren Routen wird entsprechendes Material benötigt. Für Rodellar werden mindestens 70 Meter Seil und 15 bis 20 Expresssets empfohlen, auf manchen Linien kann auch ein längeres Seil sinnvoll sein.
Die Klettergebiete
Rodellar liegt im Naturpark Sierra y Cañones de Guara und verteilt sich auf verschiedene Sektoren im Mascún-Canyon und den angrenzenden Tälern.
Zu den bekannten Bereichen gehören unter anderem Gran Bóveda, Las Ventanas, El Camino und Pince Sans Rire. Gran Bóveda steht besonders für großflächige Überhänge und Ausdauerklettern, während andere Sektoren auch technischere, vertikalere Linien bieten. Die genaue Sektorwahl richtet sich nach deinem Level, den Bedingungen und den individuellen Trainingszielen.
Ein typischer Klettertag
Am Morgen besprecht ihr gemeinsam den Plan für den Tag und wählt einen passenden Sektor. Danach geht es zu Fuß hinunter in den Canyon und zum jeweiligen Fels. Der Vormittag besteht aus einer längeren Coaching- und Kletterphase. Nach dem Lunch am Crag geht es am Nachmittag weiter – entweder mit mehreren unterschiedlichen Routen oder gezielten Versuchen an einem Projekt. Nach dem Klettern bietet sich ein Sprung in den Río Mascún an, bevor es zurück zur Unterkunft geht. Am Abend trifft sich die internationale Kletterszene in den Unterkünften, Restaurants und Treffpunkten des kleinen Ortes.
Für wen eignet sich die Reise?
Du solltest ungefähr 6b in der Halle oder 6a am Naturfels im Vorstieg klettern können. Die Routenauswahl während dieser Woche reicht ungefähr von 6a bis 8a, mit besonders viel passendem Terrain zwischen 6c und 7c. Rodellar eignet sich besonders gut für Kletter:innen, die bereits sicher vorsteigen und ihr Klettern im Überhang verbessern möchten. Erfahrung auf Tufas ist nicht erforderlich. Gerade wenn du diesen Stil bisher kaum kennst, bietet die Woche viel Potenzial, neue Bewegungsmuster zu lernen.
Teil der Europa-Klettertour
Rodellar ist die achte und letzte Etappe der Europa-Klettertour. Zuvor führt die Reise durch Labské Údolí, Frankenjura, Zillertal, Finale Ligure, Céüse, die Gorges du Tarn und Margalef. In Rodellar endet die vollständige achtwöchige Route.
Du kannst diese Woche unabhängig buchen oder gemeinsam mit der vorherigen Margalef-Etappe beziehungsweise der gesamten Tour kombinieren: Climbing Road Trip durch Europas legendäre Gebiete | moverii.de